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Kündigung & Trennung 7 Min. LesezeitVeröffentlicht am Aktualisiert am

Kündigung in der Probezeit als Arbeitgeber: Frist, Form, Fehler

Stand Oktober 2026: In der Probezeit kündigst du mit zwei Wochen Frist zu jedem beliebigen Tag, schriftlich und ohne Begründung. Die Kündigung muss spätestens am letzten Probezeittag beim Mitarbeitenden ankommen. Scheitern kann sie trotzdem, an der Zustellung, an einer Schwangerschaft oder an einem übergangenen Betriebsrat.

Kurz gesagt

  • Die Frist beträgt zwei Wochen zu jedem beliebigen Tag, nicht zum 15. oder zum Monatsende (§ 622 Abs. 3 BGB).
  • Die Kündigung muss spätestens am letzten Probezeittag zugehen. Das Fristende darf danach liegen.
  • Einen Grund brauchst du nicht, und ins Schreiben gehört auch keiner.
  • Wirksam ist nur Papier mit Originalunterschrift. E-Mail, WhatsApp und PDF machen die Kündigung nichtig.
  • Schwangere sind ab dem ersten Tag geschützt. Einen Betriebsrat hörst du auch in der Probezeit vorher an.

Einen befristeten Vertrag kannst du unter Umständen nicht einmal in der Probezeit ordentlich kündigen. Ob das bei dir so ist, entscheidet ein einziger Satz in deiner Vertragsvorlage.

Die Frist: zwei Wochen zu jedem Tag

Während einer vereinbarten Probezeit von höchstens sechs Monaten können beide Seiten mit zwei Wochen Frist kündigen (§ 622 Abs. 3 BGB). Einen festen Endtermin gibt es nicht. Das Arbeitsverhältnis endet genau zwei Wochen nach Zugang, nicht zum 15. oder zum Monatsende.

Die Frist beginnt am Tag nach dem Zugang (§ 187 Abs. 1 BGB) und endet am gleichen Wochentag zwei Wochen später (§ 188 Abs. 2 BGB). Zugang am Dienstag, 10. März 2026, heißt Ende mit Ablauf von Dienstag, 24. März 2026. Fällt das Ende auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt sich nichts, weil § 193 BGB für Kündigungsfristen nicht gilt.

SituationFristEndtermin
Probezeit vereinbart, Zugang innerhalb2 Wochenbeliebiger Tag
Keine Probezeit im Vertrag4 Wochenzum 15. oder Monatsende
Probezeit vorbei, unter 2 Jahren4 Wochenzum 15. oder Monatsende
Vertrag oder Tarif nennt längere Fristvertragliche Fristlaut Vertrag
Probezeit über 6 Monate, Zugang im 7. Monat4 Wochenzum 15. oder Monatsende

Schau vor jeder Kündigung in den unterschriebenen Vertrag, nicht in die Vorlage im Laufwerk. Fehlt die Probezeit dort, gilt vom ersten Tag an die Grundfrist.

Probezeit und Wartezeit sind zwei Uhren

Die Probezeit steht im Vertrag und verkürzt nur die Frist. Die Wartezeit aus § 1 Abs. 1 KSchG läuft immer sechs Monate, erst danach brauchst du in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten einen Kündigungsgrund. Beide Daten zeigt der Probezeit-Rechner.

Kurzprüfung: gilt die kurze Frist?

Sieben Fragen decken die Fälle ab, an denen Probezeitkündigungen scheitern.

Selbsttest · 1 Minute

Kannst du mit zwei Wochen Frist kündigen?

Orientierung, keine Rechtsberatung.

Steht im unterschriebenen Vertrag eine Probezeit von höchstens sechs Monaten?

Nur der unterschriebene Vertrag zählt, nicht die Vorlage.

Was "in der Probezeit" heißt: Zugang zählt

Für die kurze Frist kommt es allein auf den Zugang an. Die Kündigung muss spätestens am letzten Probezeittag beim Mitarbeitenden ankommen. Das Fristende darf danach liegen. Bei Eintritt am 1. April endet eine sechsmonatige Probezeit am 30. September, bei Eintritt am 15. April am 14. Oktober, weil der erste Arbeitstag mitzählt (§ 187 Abs. 2 BGB).

Übergibst du das Schreiben persönlich, geht es in diesem Moment zu, auch wenn der Mitarbeitende es nicht annimmt. Bei Abwesenden zählt, wann es in seinen Machtbereich gelangt und mit Kenntnisnahme zu rechnen ist (§ 130 BGB). Beim Briefkasten bedeutet Einwurf zu den üblichen Postzustellzeiten Zugang am selben Tag (BAG, 20.06.2024, 2 AZR 213/23). Wirft dein Bote um 21 Uhr ein, gilt der Brief erst am nächsten Tag als zugegangen.

Urlaub oder Krankheit hindern den Zugang nicht. Liegt der Brief im Briefkasten, ist er zugegangen, auch wenn die Mitarbeiterin gerade verreist ist.

Schriftform und Zustellung

Jede Kündigung braucht Papier mit eigenhändiger Unterschrift im Original (§ 623 BGB). Die elektronische Form ist ausgeschlossen. E-Mail, WhatsApp, Fax, eingescanntes PDF oder qualifizierte elektronische Signatur machen die Kündigung nichtig. Daran hat das Bürokratieentlastungsgesetz IV nichts geändert.

Unterschreiben sollte die Geschäftsführung, die Inhaberin oder ein eingetragener Prokurist. Unterschreibt die Büroleitung, muss eine Originalvollmacht beiliegen. Sonst kann der Mitarbeitende die Kündigung nach § 174 BGB unverzüglich zurückweisen, und bis die zweite Kündigung zugeht, ist die Probezeit oft vorbei.

WegBeweiswertBemerkung
Persönliche Übergabe mit Zeugensehr hochZeuge hat vorher gelesen, was im Umschlag steckt
Bote mit ProtokollhochBote kennt den Inhalt, notiert Uhrzeit und Adresse
Einwurf-EinschreibenmittelAuslieferungsbeleg anfordern, der Sendungsstatus allein reicht nicht (BAG, 30.01.2025, 2 AZR 68/24)
Übergabe-Einschreibengeringbei Abwesenheit Zugang erst bei Abholung
E-Mail, Messenger, FaxkeinerKündigung nichtig

Kurz vor Probezeitende übergibst du persönlich im Büro. Ist der Mitarbeitende krank oder im Homeoffice, schickst du einen Boten mit Protokoll.

Muster: Kündigung in der Probezeit

Sehr geehrte Frau [Name],
hiermit kündigen wir das zwischen Ihnen und uns bestehende Arbeitsverhältnis ordentlich innerhalb der vereinbarten Probezeit mit einer Frist von zwei Wochen zum [Datum], hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Bitte melden Sie sich spätestens drei Tage nach Kenntnis der Kündigung persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend (§ 38 Abs. 1 SGB III). Andernfalls droht eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.

[Ort, Datum]
[Unterschrift im Original, Name, Funktion]

Der Zusatz "hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt" fängt einen Rechenfehler beim Datum auf. Den Hinweis auf die Meldepflicht sollst du geben (§ 2 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 SGB III). Einen fertigen Text mit Frist und Unterschriftsfeld liefert der Kündigungsschreiben-Generator.

Braucht die Kündigung einen Grund?

Nein. In den ersten sechs Monaten gilt das Kündigungsschutzgesetz nicht, in Betrieben mit bis zu zehn Beschäftigten ohnehin nicht. Du musst die Kündigung weder rechtfertigen noch begründen. Unwirksam wird sie nur, wenn sie diskriminiert (§ 1 AGG), eine berechtigte Rechtsausübung bestraft (§ 612a BGB), etwa die Forderung nach bezahlten Überstunden, oder sittenwidrig ist (§§ 138, 242 BGB).

Schreib deshalb keinen Grund ins Schreiben. Ein Satz wie "passt altersmäßig nicht ins Team" ist ein Indiz für Altersdiskriminierung, und dann musst du nach § 22 AGG beweisen, dass das Alter keine Rolle spielte. Im Gespräch bleibst du bei Arbeit und Verhalten: Fehlerquote, Absprachen, Einarbeitungsstand.

Wann die Probezeit nicht schützt

Die Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes hilft nicht gegen den besonderen Kündigungsschutz. Einige Gruppen sind ab dem ersten Tag geschützt, und an ihnen scheitern die teuersten Probezeitkündigungen.

GruppeSchutz in der ProbezeitWas du tun musst
Schwangereja, ab Tag 1 (§ 17 MuSchG)Zulässigerklärung der Landesbehörde vor der Kündigung
Fehlgeburt nach der 12. Wocheja, 4 Monate (§ 17 MuSchG)wie bei Schwangerschaft
Elternzeitab Verlangen, frühestens 8 Wochen vor Beginn, bei Elternzeit ab dem 3. Geburtstag 14 Wochen (§ 18 BEEG)Zulässigerklärung der Landesbehörde
Pflegezeit, Familienpflegezeitab Ankündigung, höchstens 12 Wochen vor Beginn (§ 5 PflegeZG)Zulässigerklärung der Landesbehörde
Schwerbehinderte, Gleichgestelltekeine Zustimmung des Integrationsamts nötig (§ 173 Abs. 1 Nr. 1 SGB IX)Schwerbehindertenvertretung anhören, falls vorhanden; Beendigung binnen 4 Tagen dem Integrationsamt anzeigen (§ 173 Abs. 4 SGB IX)
Alle, wenn ein Betriebsrat bestehtAnhörung Pflicht (§ 102 BetrVG)vorher anhören, eine Woche abwarten

Bei einer Schwangerschaft spielt es keine Rolle, ob du davon wusstest. Die Mitarbeiterin kann sie dir noch bis zu zwei Wochen nach Zugang mitteilen. Erfährst du nachträglich davon, nimm die Kündigung schriftlich zurück, sonst verlierst du vor dem Arbeitsgericht und zahlst den Lohn nach.

Gibt es eine Schwerbehindertenvertretung, hörst du sie bei schwerbehinderten Beschäftigten auch in der Wartezeit an und wartest die Wochenfrist ab, sonst ist die Kündigung unwirksam (§ 178 Abs. 2 Satz 3 SGB IX, BAG, 29.01.2026, 2 AZR 128/25).

Plane bei Betriebsrat oder Schwerbehindertenvertretung mindestens eine Woche vor dem letzten Probezeittag ein. Wer am Tag 175 erst anhört, schafft die Kündigung nicht mehr in der Probezeit. Ob für eine Person besonderer Schutz greift, prüft der Sonderkündigungsschutz-Check.

Probezeit im befristeten Vertrag nach dem BAG-Urteil 2025

Ein befristeter Vertrag ist auch in der Probezeit nur ordentlich kündbar, wenn das ausdrücklich im Vertrag oder im Tarifvertrag steht (§ 15 Abs. 4 TzBfG). Prüf deine Vorlage auf einen Satz wie: "Das Arbeitsverhältnis kann von beiden Seiten unter Einhaltung der gesetzlichen Fristen ordentlich gekündigt werden."

Außerdem muss die Probezeit zur erwarteten Dauer der Befristung und zur Tätigkeit passen (§ 15 Abs. 3 TzBfG). Eine feste Formel gibt es nicht, auch keine Faustregel von 25 Prozent der Laufzeit (BAG, 30.10.2025, 2 AZR 160/24). Hält die Probezeitvereinbarung nicht, gilt statt zwei Wochen die Grundfrist. Mehr im Artikel befristeter Arbeitsvertrag.

Beispiel: Kündigung am letzten Probezeittag

Ein IT-Dienstleister mit 45 Beschäftigten stellt zum 1. April 2026 eine Projektkoordinatorin ein, sechs Monate Probezeit, kein Betriebsrat. Am Dienstag, 29. September, entscheidet der Geschäftsführer, sich zu trennen. Die Probezeit endet am Mittwoch, 30. September 2026.

A: Brief per PostB: Übergabe im Büro
Was passiertBrief geht am 29.09. abends in den PostkastenÜbergabe am 30.09. um 9 Uhr mit Zeugin
ZugangDonnerstag, 01.10.2026Mittwoch, 30.09.2026
Frist4 Wochen zum 15. oder Monatsende2 Wochen
Ende31.10.202614.10.2026
Kündigungsschutzgesetzgilt, Wartezeit am 30.09. erfülltgilt nicht

In Variante A kostet ein Tag mehr als zwei Wochen Gehalt. Schwerer wiegt, dass das Arbeitsverhältnis am 1. Oktober länger als sechs Monate besteht und die Kündigung jetzt einen Grund nach dem Kündigungsschutzgesetz braucht. Mehr Zeit zur Erprobung verschaffst du dir rechtzeitig, siehe Probezeit verlängern.

Checkliste vor der Übergabe

Wer vor Ablauf von sechs Monaten ausscheidet, bekommt für jeden vollen Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubs (§ 5 Abs. 1 BUrlG), was nicht genommen wird, zahlst du aus. Zur Freistellung gibt es einen eigenen Artikel.

Zum Abhaken

Bevor das Kündigungsschreiben das Haus verlässt

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Quellen

Häufige Fragen

Wie lange ist die Kündigungsfrist in der Probezeit für den Arbeitgeber?+

Zwei Wochen nach § 622 Abs. 3 BGB, wenn eine Probezeit vereinbart ist und sie höchstens sechs Monate dauert. Die Frist endet an einem beliebigen Kalendertag, nicht zum 15. oder zum Monatsende. Ein Tarifvertrag oder dein Arbeitsvertrag kann eine längere Frist vorsehen, dann gilt die längere.

Kann ich am letzten Tag der Probezeit noch kündigen?+

Ja. Die schriftliche Kündigung muss spätestens am letzten Probezeittag zugehen. Das Arbeitsverhältnis endet dann zwei Wochen später, also nach dem Ende der Probezeit. Ein Brief, der erst am Folgetag im Briefkasten liegt, ist zu spät.

Muss ich in der Probezeit einen Kündigungsgrund nennen?+

Nein. In den ersten sechs Monaten gilt das Kündigungsschutzgesetz nicht, und im Kündigungsschreiben muss kein Grund stehen. Verboten bleiben Kündigungen, die diskriminieren (AGG), eine berechtigte Rechtsausübung bestrafen (§ 612a BGB) oder sittenwidrig sind. Hat dein Betrieb einen Betriebsrat, nennst du ihm die Gründe in der Anhörung.

Darf ich einer Schwangeren in der Probezeit kündigen?+

Grundsätzlich nein. Der Kündigungsschutz nach § 17 MuSchG gilt ab dem ersten Tag. Erfährst du erst nach der Kündigung von der Schwangerschaft, reicht es, wenn die Mitarbeiterin sie dir innerhalb von zwei Wochen nach Zugang mitteilt. Kündigen geht nur mit vorheriger Zulässigerklärung der zuständigen Landesbehörde.

Reicht eine Kündigung per E-Mail oder WhatsApp in der Probezeit?+

Nein. § 623 BGB verlangt die Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift, die elektronische Form ist ausgeschlossen. Eine Kündigung per E-Mail, Messenger, Fax oder als PDF ist nichtig. Das Arbeitsverhältnis läuft dann weiter.

Was passiert, wenn der Mitarbeitende nach der Kündigung krank wird?+

Die Kündigung bleibt wirksam. Hast du aus Anlass der Arbeitsunfähigkeit gekündigt, zahlst du die Entgeltfortzahlung nach § 8 EFZG aber über das Vertragsende hinaus, bis die sechs Wochen ausgeschöpft sind. Den Anspruch gibt es erst nach vier Wochen Beschäftigung (§ 3 Abs. 3 EFZG).

Dieses Angebot ersetzt keine Rechtsberatung. Es gibt die allgemeine Rechtslage in Deutschland verständlich wieder. Für deinen Einzelfall frag eine Anwältin oder einen Anwalt für Arbeitsrecht.

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